Die biosyn verneigt sich vor einem großen Selenforscher: Prof. Dr. Gerhard Schrauzer mit 82 Jahren in Kalifornien gestorben.

Der Doyen der medizinischen Selenforschung, Professor Dr. Gerhard Schrauzer, ist tot. Er starb am 26. Oktober im Alter von 82 Jahren in seiner Wahlheimat San Diego in Kalifornien. An der California State University in La Jolla hatte er sei 1966 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1993 gelehrt und anschließend das Biological Trace Element Research Institute gegründet, mit dem er sich der medizinischen Bedeutung der Spurenelemente widmete.

Mit seinen Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der bio-anorganischen Chemie gab Schrauzer insbesondere der Krebsforschung wesentliche Impulse. Als einer der Ersten hat er die Bedeutung der Spurenelemente für die Krankheitsvorbeugung und Behandlung erkannt und seit den sechziger Jahren die wissenschaftlichen Grundlagen dafür gelegt.

Für das Spurenelement Selen konnte Schrauzer zeigen, dass bestimmte Selenverbindungen die Körperzellen schützen. Dies setzt die Wahrscheinlichkeit einer Tumorentstehung herab und verbessert gleichzeitig die Verträglichkeit von Chemo- oder Radiotherapien. Auch bei Lymphödemen, Pankreatitis, Thyroiditis und Sepsis wird Selen heute eingesetzt.

Mit seinen Arbeiten stieg Gerhard Schrauzer in den Kreis der 1000 meistzitierten Wissenschaftler der Welt auf. Er war Autor und Herausgeber zahlreicher wissenschaftlicher Veröffentlichungen und leitete internationale Krebskonferenzen.

Der internationale Erfolg als Wissenschaftler war Gerhard Schrauzer nicht vorgezeichnet, im Gegenteil. Am 26. März 1932 im böhmischen Franzensbad geboren, verhinderten die Kriegswirren zunächst den Besuch einer höheren Schule und eine akademische Ausbildung. Eine entscheidende Wende seines Lebens brachte der Besuch des deutsch-amerikanischen Forschers Oskar Baudisch in jenem Institut, in dem der junge Mann seine Ausbildung zum Chemielaboranten absolvierte. Er erkannte Schrauzers Talent und riet ihm, Chemie zu studieren und in die USA zu kommen.

Schrauzer übersiedelte nach München, holte sein Abitur nach und begann 1951 mit dem Chemiestudium. 1957 heiratete er auch die englische Literatur- und Germanistikstudentin Carol Phipps und verbrachte mit ihr die beiden ersten Ehejahre in den USA, wo er an den Forschungslaboratorien der Monsanto Chemical Company in Dayton/Ohio tätig war.

Nach München zurückgekehrt, begann Schrauzer mit seiner Habilitationsschrift. 1964 zog er endgültig in die USA. Schon bald interessierten sich amerikanische Universitäten für ihn. Als Professor an der California State University in La Jolla hatte Schrauzer Gelegenheit, sich mit anderen berühmten Biologen und Krebsforschern auszutauschen. Er befasste sich vor allem mit der bioanorganischen Chemie, der Rolle des Elements Stickstoff, Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen im Stoffwechselgeschehen des Menschen.

Über all die Jahrzehnte hielt Schrauzer engen Kontakt mit seiner alten Heimat, war häufiger Gast bei wissenschaftlichen Kongressen, darunter den Tagungen der Gesellschaft für Mineralstoffe und Spurenelemente und er scheute sich auch nicht, sich in die öffentliche Diskussion um den verkannten Wert der Spurenelemente für die Gesundheit einzumischen.

Besonders eng hat Professor Schrauzer mit der biosyn Arzneimittel GmbH in Fellbach zusammengearbeitet und ihre Arbeit inspiriert. Der Weltmarktführer bei hochdosierten Selen-Arzneimitteln hat in Anerkennung der wissenschaftlichen Verdienste Schrauzers zu dessen 70. Geburtstag den „Internationalen Schrauzerpreis“ gestiftet. Mit dem Preis wurden inzwischen zahlreiche Wissenschaftler für Arbeiten auf dem Gebiet der therapeutischen Forschung mit Selenverbindungen ausgezeichnet. Preisträger sind Dr. Anja Bräuer, Dr. Nicolai E. Savaskan, Dr. Matthias Angstwurm, Dr. Lutz Schomburg, Dr. Ulrich Schweizer sowie Dr. Anna Patrica Kipp.

Mit Gerhard Schrauzer hat die Fachwelt einen inspirierenden Forscher verloren, dessen Einsatz für die Anerkennung von Spurenelementen in der Therapie kaum zu ermessen ist.