Die Schilddrüse kann die Seele krank machen

Die in der Schilddrüse produzierten Hormone beeinflussen nicht nur zahlreiche Stoffwechselprozesse und Körperfunktionen, sondern auch unser psychisches Wohlbefinden. Depressive Verstimmungen, Angstzustände oder ständige Erschöpfung können daher auch ein Hinweis auf eine Funktionsstörung der Schilddrüse sein. 

Sowohl eine Unter- als auch eine Überfunktion der Schilddrüse können mit psychischen Krankheitssymptomen verbunden. Manchmal stehen diese so sehr im Vordergrund, dass die zugrundeliegende körperliche Funktionsstörung übersehen wird.

Schilddrüse und Selen

Das Halbmetall Selen zählt zu den sogenannten essentiellen Spurenelementen: Der Organismus benötigt davon zwar nur sehr geringe Mengen täglich, diese sind aber für eine Vielzahl von Stoffwechselvorgängen absolut notwendig.

Die Schilddrüse ist das selenreichste Organ des menschlichen Körpers. Deshalb reagiert sie besonders empfindlich auf eine unzureichende Selenversorgung. Ebenso wie Jod trägt auch Selen zu ihrer normalen Funktion bei: Erst mit Hilfe von Selen wird das Schilddrüsenhormon Thyroxin (T4) in seine aktive Form, das sogenannte T3 (Trijod-Thyronin) umgewandelt. Das hochwirksame T3 wiederum steuert eine Vielzahl von Stoffwechsel-vorgängen: Es steigert die Herzfrequenz und den Blutdruck, erhöht den Energieumsatz, fördert das gesunde Wachstum von Haaren und Nägeln, stärkt die Knochensubstanz und reguliert den Wärmehaushalt. Darüber hinaus fördert T3 die Hormonausschüttung in anderen Organen, zum Beispiel in der Bauchspeicheldrüse und der Nebenniere. Bei Kindern ist T3 von großer Bedeutung für das Wachstum und die Entwicklung des Gehirns.

Bei einem Selenmangel steigt die Anfälligkeit für eine Schilddrüsenentzündung, die sogenannte Hashimoto-Erkrankung oder Autoimmun-Thyreoiditis. Jeder zehnte Bundesbürger trägt die genetische Veranlagung dafür in sich; Frauen sind etwa achtmal häufiger betroffen als Männer. Ursache der Erkrankung ist eine fehlgeleitete Abwehrreaktion des Immunsystems, die sich gegen das eigene Schilddrüsengewebe richtet. Auf Dauer führt das zu einer Schilddrüsen-Unterfunktion. Ob die Erkrankung ausbricht, wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst: etwa durch hormonelle Veränderungen während der Schwangerschaft oder der Wechseljahre, durch Virusinfektionen oder Stress.

Menschen mit einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) können unter Rastlosigkeit, Nervosität und verstärkter Ängstlichkeit leiden, die bis zu Panikattacken gehen können. Körperlich kann sich das Zuviel an Hormonen durch Schweißausbrüche, Herzrasen, Gewichtsverlust und Schlafstörungen äußern. Diese Symptome werden bei Frauen gern als Anzeichen der Wechseljahre fehlgedeutet. Auch hinter einer vermeintlichen Angsterkrankung oder Panikstörung kann sich eine Hyperthyreose verbergen.

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