Selen – Wirkung, Bedarf, Mangel & richtige Einnahme | FAQ
Was ist denn gemeint, wenn man von „Selen“ spricht?
Unser Körper braucht verschiedene Spurenelemente, darunter Zink und Selen. Beide spielen eine wichtige Rolle für bestimmte Eiweiße (Proteine), die für viele Prozesse in unserem Körper notwendig sind. Doch gibt es einen großen Unterschied darin, wie diese beiden Elemente genutzt werden.
Selen ist einzigartig unter den Spurenelementen. Es wird nicht einfach in ein Protein eingelagert wie Zink, sondern als eine spezielle Aminosäure namens Selenocystein fest verbaut. Dieser Prozess ist äußerst kompliziert, aber notwendig, weil einige Proteine nur mit Selen richtig funktionieren können. Diese besonderen Proteine nennt man Selenoproteine. Einmal eingebaut, bleibt das Selen im Protein verankert – es kann sich also nicht einfach lösen, wie es bei Zink der Fall ist. Dadurch ist sichergestellt, dass es genau dortbleibt, wo der Körper es braucht.
Was macht „Selen“ im Körper?
Selen unterstützt viele wichtige Prozesse und hat eine zentrale Rolle im antioxidativen System (Zellschutz), im Immunsystem, in der Regulation der Schilddrüsenhormone, der Eiweißfaltung und auch bei der Spermienproduktion.
Selen verbessert aufgrund seiner chemischen Eigenschaften die Enzymfunktion und verleiht einen besseren Widerstand gegen unumkehrbare Oxidation und somit Inaktivierung des Enzyms, indem es leichter „regeneriert“ werden kann. Selen trägt über Glutathionperoxidasen dazu bei, Zellen vor schädlichem oxidativem Stress zu schützen.
Warum ist Selen anders als andere Spurenelemente?
Selen ist einzigartig unter den Spurenelementen und wird fest in Proteine eingebaut.
Zink kommt in Proteinen als positiv geladenes Ion vor und kann sich wieder lösen.
Selen hingegen wird als Selenocystein fest verbaut und bleibt im Protein verankert. Dadurch ist sichergestellt, dass es genau dort bleibt, wo der Körper es braucht..
Warum dieser Aufwand mit Selen?
Das liegt an der besonderen Rolle, die Selen im Stoffwechsel spielt. Der Stoffwechsel umfasst alle biochemischen Reaktionen im Körper, und viele davon
basieren auf Schwefelverbindungen. Schwefel steckt in bestimmten Vitaminen und ist ein wichtiger Bestandteil von Enzymen. Diese Enzyme sind winzige
„Werkzeuge“, die chemische Reaktionen im Körper beschleunigen und steuern.
Wenn man ins Periodensystem der Elemente schaut, sieht man, dass Selen direkt unter Schwefel steht. Das bedeutet, dass sich die beiden Elemente
in vielen Eigenschaften ähneln. Tatsächlich kann Selen in manchen Enzymen Schwefel ersetzen – und das bringt einige Vorteile mit sich! Der Austausch von
Schwefel durch Selen in Enzymen macht diese leistungsfähiger. Besonders wichtig ist, dass Enzyme mit Selen eine stärkere Peroxidaseaktivität* haben.
Diese Eigenschaft ermöglicht es, problemlos zwischen reduziertem und oxidiertem Zustand zu wechseln, ohne dauerhaft zu oxidieren, d.h. ohne kaputt zu
gehen.
- Selen ist anders als andere Spurenelemente und spielt eine zentrale Rolle für die Gesundheit.
- Selen wird fest in Proteine eingebaut, während Zink (Zn²+ ) als Ion flexibel ein- und ausgehen kann.
Wo bekommen wir das Selen her?
Selen gibt es in zwei Formen, beide sind „natürlich“:
- Anorganisches Selen – kommt z. B. im Grundwasser vor.
- Organisches Selen – wird von Pflanzen aus anorganischem Selen gebildet.
Dementsprechend wird über den Verzehr von pflanzlichen Nahrungsmitteln hauptsächlich organisches und über das Trinken anorganisches Selen aufgenommen. Tiere benötigen wie Menschen Selen, sodass mit tierischen Produkten auch die Aminosäure Selenocystein aufgenommen wird.
Wieviel Selen ist denn empfohlen?
Der Schätzwert für eine angemessene Zufuhr (Tagesbedarf), ist für Frauen ~ 60 μg und für Männer ~ 70 μg Selen pro Tag (Deutsche Gesellschaft für Ernährung; DGE | https://www.dge.de; Stand März 2025).
Wie viel Selen nehmen wir tatsächlich zu uns?
In Deutschland gibt es keine genauen Daten zur tatsächlichen Selenaufnahme, da Lebensmittel nicht standardmäßig auf ihren Selengehalt untersucht werden.
Der Selengehalt in Lebensmitteln hängt von den Bodenverhältnissen ab, und europäische Böden enthalten im Vergleich zu den USA weniger Selen. In der
Tierzucht (und auch Hunde-/Katzenfutter) wird oft Selen dem Futter zugesetzt, um Mangelerscheinungen bei Tieren zu verhindern.
Eine Schätzung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ergab, dass Erwachsene in Deutschland täglich nur zwischen 31 und
66 μg Selen zu sich nehmen. (Deutsche Gesellschaft für Ernährung; DGE | https://www.dge.de; Stand März 2025).
Daraus lässt sich ableiten, dass in Deutschland tendenziell zu wenig Selen zugeführt wird um generell von einer Sättigung des Transportproteins, und damit von einer guten Versorgung aller Zellen, ausgehen zu können.
Warum spielt die Form des Selens eine Rolle?
Selen kommt in Lebensmitteln in unterschiedlichen Formen vor, hauptsächlich als Selenomethionin (organisch) und Natriumselenit (anorganisch).
► Selenomethionin, das vor allem in Pflanzen vorkommt, wird im Körper wie die Aminosäure Methionin verarbeitet. Das Problem: Es wird unspezifisch in verschiedene Proteine eingebaut – auch in solche, die keine Selenoproteine sind. Dadurch kann es den gemessenen Selenwert erhöhen, ohne tatsächlich für die lebenswichtigen Selenfunktionen verfügbar zu sein. Es vermittelt insofern einen falschen Eindruck der Versorgungslage.
► Natriumselenit hingegen wird vom Körper direkt verwertet und in aktive Selenoproteine eingebaut. Überschüssiges Selen aus dieser Quelle wird hauptsächlich über den Urin ausgeschieden, wodurch eine übermäßige Anreicherung im Körper vermieden wird.
Aus diesem Grund wird in Deutschland für Arzneimittel ausschließlich Natriumselenit verwendet.
Selen ist nicht gleich Selen – Warum die Form entscheidend ist?
Es gibt unterschiedliche Selenformen, beide sind „natürlich“:
► Organisches Selen (z. B. Selenomethionin aus Selen-Hefe):
Kann sich im Körper anreichern und hohe Werte verursachen.
► Anorganisches Selen (z. B. Natriumselenit):
Wird nicht gespeichert, sondern gezielt für die Bildung von Selenoproteinen genutzt Ein Überschuss wird leichter ausgeschieden.
Wie gut man mit „Selen“ versorgt ist, kann nur abgeschätzt werden, wenn man den Status bestimmt.
Ein Selen-Status im optimalen, zumindest aber im guten Bereich ist gesundheitsförderlich, sowohl präventiv als auch therapeutisch. Ein deutlicher Mangel oder Überschuss sollte aus den beschriebenen Gründen vermieden werden,
denn Nutzen oder Schaden von Selen folgt einer U-Kurve entlang des SelenStatus.
Sie haben es selbst in der Hand und sind nun hoffentlich hinreichend informiert. Sie möchten Ihren Selenhaushalt unterstützen? Dann könnten Sie ein Nahrungsergänzungsmittel konsumieren. Nahrungsergänzungsmittel dienen allerdings nicht als Ersatz für eine ausgewogene und gesundheitsorientierte Ernährung (sind also kein Ersatz für „Cheating“).
Folgendes sollte dabei bedacht werden:
► Produkte müssen nur bei der Lebensmittelbehörde angemeldet werden..
► unterliegen keiner systematischen Qualitäts- und Sicherheits-Überwachung.
► Bei der Entscheidung für ein bestimmtes Produkt sollte nicht nur der Preis, sondern auch die verwendete Selen-Form sowie der Hersteller
berücksichtigt werden. Bestenfalls ein Hersteller der auch ein SelenArzneimittel herstellt.
Zu empfehlen ist allerdings, zunächst den Selen-Status zu bestimmen. Dieser
Test ist trotz der hohen gesundheitlichen Relevanz von Selen bedauerlicherweise eine „Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL)“, die selbst bezahlt werden muss.
Warum lohnt sich das?
► Vielleicht sind Sie schon gut mit Selen versorgt und es braucht keine
zusätzlichen Präparate (das spart Geld).
► Falls man schon Selen einnimmt, kann man überprüfen, ob die Menge angemessen ist oder ob eventuell zu wenig/zu viel zugeführt wird.
(Man denkt vielleicht man tut sich etwas Gutes tut es aber eigentlich immer noch nicht).
Sie können nur dann von einem allgemeinen Gesundheitsnutzen ausgehen und von einem möglichen Präventionspotential profitieren, wenn keine Unterversorgung oder Überversorgung vorliegt.
Wann macht eine Selen-Ergänzung Sinn?
Eine ausreichende Selenversorgung hat nachweislich positive Effekte auf verschiedene Körperfunktionen.
Deshalb sind für Nahrungsergänzungsmittel mit Selen offizielle Health Claims (gesundheitsbezogene Aussagen) erlaubt:
✅ Selen trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen.
✅ Selen trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
✅ Selen trägt zu einer normalen Schilddrüsenfunktion bei.
✅ Selen trägt zu einer normalen Spermabildung bei.
✅ Selen trägt zur Erhaltung normaler Haare bei.
✅ Selen trägt zur Erhaltung normaler Nägel bei.
Allerdings bedeutet „trägt bei“ nicht, dass Selen diese Funktionen garantiert verbessert.
Aber wann ist man denn gut mit Selen versorgt?
Das ist davon abhängig mit wem man spricht und wie man das Thema betrachtet. Selen Laborwerte werden aus Blutproben (Vollblut, Serum oder Plasma) erhoben und im Vergleich zu Normwerten/-bereichen beziehungsweise Referenzbereichen beurteilt. Normwerte und Referenzbereiche meinen häufig dasselbe. Im Fall von Selen gibt es hier aber zu beachtende Unterschiede. Blutwerte haben üblicherweise sogenannte Normbereiche, die sich an einer gesunden Durchschnittsbevölkerung orientieren. Diese Normwerte werden
durch eine statistische Berechnung festgelegt: Der Durchschnittswert einer großen Stichprobe wird bestimmt, und der Bereich wird so gewählt, dass etwa 95 % der gemessenen Werte als „normal“ gelten. Klinische Messwerte, die innerhalb
des Bereichs liegen, werden im Allgemeinen als „unauffällig“ (also „normal“) gewertet und Messwerte, die außerhalb diesem Bereich liegen sind „auffällig“.
Daher soll hier folgend der Normbereich als statistische Verteilung innerhalb einer gesunden Bevölkerung betrachtet werden. In deutschen Laboren gilt im Schnitt ein Normbereich für Selen von 60-175 μg/L im Blutserum.14 In der wissenschaftlichen Literatur gibt es auch Angaben von 50-120 μg/L (Serum).
Die Selenversorgung hängt stark vom Selengehalt im Boden und in der Nahrung ab. Deshalb gibt es weltweit große Unterschiede für den Normbereich:16–18
► USA: 122-152 μg/L (Serum; Ø: 136 μg/L)
► Europa: 75,1–83,9 μg/L (Serum; Ø ♂: 78,3 μg/L; ♀: 80,8 μg/L)
► Deutschland: 69,8–79,6 μg/L (Serum; Ø ♂: 73,2 μg/L; ♀: 74,3 μg/L)
Das bedeutet: Was in einem Land als „normal“ gilt, kann in einem anderen Land als Mangel oder Überschuss eingestuft werden. Auf den ersten Blick scheint also der Durchschnittswert der Deutschen im „normalen“ Bereich zu liegen.
Doch wenn man einen anderen Maßstab anlegt und die Physiologie mit betrachtet, ergibt sich ein anderes Bild. Die Arzneimittelbehörde (BfArM) legt für die medizinische Beurteilung der Selenversorgung strengere Referenzwerte fest:
► 80-120 μg/L für Serum/Plasma
► 100-140 μg/L für Vollblut
Liegen die Werte darunter, spricht man von einem medizinisch relevanten Mangel, der behoben werden sollte.
Was sagt die Wissenschaft zur optimalen Selenversorgung?
Ein wichtiger Selenoprotein-Marker ist die Glutathionperoxidase-3 (GPx-3), die im Blutserum vorkommt. Ihre volle Aktivität wird bei einer Selen-Konzentration von etwa 90 μg/L erreicht. Ein weiteres wichtiges Selenoprotein, GPx-1 (in Blutplättchen), benötigt etwa 95–115 μg/L.
Der beste Biomarker für den Selenstatus ist SELENOP, das Transportprotein für Selen. Bei steigender Selenzufuhr nimmt sein Wert zu, bis ein Sättigungsgrad erreicht ist. Studien zeigen, dass ein optimaler Selenwert bei etwa 120–125 μg/L liegt, was einem SELENOP-Wert von 5,0 mg/L entspricht.
Woran erkennt man eine Selenunterversorgung?
Ein Selenmangel bleibt oft unbemerkt oder zeigt sich durch unspezifische Symptome, die auch andere Ursachen haben können. Dazu zählen:
► Müdigkeit und verringerte Leistungsfähigkeit
► Muskelschwäche
► Häufige Infekte
► Haarausfall und schuppige Haut
► Weißfärbung der Fingernägel
Schwere Erkrankungen die mit einem Selenmangel in Verbindung stehen, wie die Kashin-Beck- oder Keshan-Krankheit, gibt es in Europa zum Glück nicht.
Eine Unterversorgung mit Selen lässt sich nur durch eine Blutuntersuchung zweifelsfrei feststellen.
Selen-Test (Vollblut oder Serum)? Was ist der Normbereich meines Labors?
► Ein Labor mit niedrigem unteren Normbereich zeigt eine Unterversorgung nicht an.
► Es sollte mindestens der Referenzbereich von 80 µg/L (im Serum) oder 100 µg/L (im Vollblut) erreicht werden.
► Für eine gute Selenversorgung ist der obere Bereich des Referenzwertes (120 µg/L im Serum, oder 140 µg/L im Vollblut) anzustreben.



